Positionen C. S.

„Mit Beginn des zweijährigen Werkzyklus’ zum Morgen-, Mittags- und Abendlicht weiss ich: Genauigkeit rettet vor Irrtümern. Nur der beherzte Blick, die Differenzbildung, verwandelt das Selbstverständnis oben am Himmel in ein Rätsel; und wenn nicht das, so doch in eine recht lichte Eigentümlichkeit. Welch Fülle an steter Veränderung. Zu jeder Stunde die Erkundung: woher kommt jetzt wieder das Licht? Unterdessen ist mir weniger die glasklare Antwort willkommen, denn vielmehr die Einübung eines jeden in völlig neue und kritische Fragen.“ (2016)

 

„Erbauen ist ein unglaublicher Vorgang. Etwas , was noch nicht da, ist bald da. Etwas Neues entsteht und gewinnt Raum. Bald wird hoch oben gearbeitet, punktgenau dort, wo jetzt noch pure Luft ist. So etwas übt einen Sog aus, beflügelt die Imagination. Über diesen Weg kommt man zu Bildern.“ (2014)

 

„Millionen Bildnisse? Geschwätz. Letztlich bleiben pro Kontinent nur wenige hundert Bildtafeln von Grösse und Gehalt, die einer Tradierung angemessen sind. Sie tragen Gegenwart aus, sind der Zukunft zugänglich, evozieren «stillen Jubel» (Roland Barthes). Alles andere schwirrt zwar umher, vergeht aber. Rhetorik auf dem Boulevard.“ (2013)

 

„Wer mit der Hand den Schärfering der Kamera einstellt, stellt damit keinesfalls nur Präzision und Klarheit ein. Er stellt sich selbst auf das Gesehene ein ... Er verbindet sich im Akt der Justierung mit dem, was er vor sich hat, so wie es in den Städten früher der alte Münzhändler mit dem Gold auf seiner Waage tat, das er hin- und herschob.“ (2013)

 

„Gibt es eine Phase im Leben, in der ein Gesicht seine biographisch höchste Steigerung an Kraft und Selbstgewissheit entfaltet, so dass darin alle vorherigen Stadien und alle folgenden aufgehoben sind? Ein Antlitz, so reich an Gegenwart, dass Vergangenheit und Zukunft wie zwei Rahmungen wirken? Und wäre es so, wo finde ich es?“ (2013)